Lieber Kunde, Du Arschloch – der schmale Grat zwischen Dialog und Diffamierung im Community Management

Lieber Kunde, Du Arschloch – der schmale Grat zwischen Dialog und Diffamierung im Community Management

Gutes Community Management ist seit Jahren eine hervorragende Möglichkeit, um einen positiven Eindruck in der Zielgruppe zu hinterlassen. Der Schlüssel zu einem sympathischen Auftritt liegt hier in einem emphatischen Dialog. Der Community Manager muss in der Lage sein das Anliegen eines Nutzers genau zu erfassen und seine Ansprache so zu spiegeln, dass dieser sich verstanden und abgeholt fühlt. Textbausteine sind hier ebenso wenig hilfreich, wie das sture Verweisen auf klassische Supportkanäle.  Auf der anderen Seite ist ein souveräner Umgang mit Störenfrieden, Trollen und anderen unangenehmen Zeitgenossen notwendig und wichtig. Die Betonung liegt dabei auf souverän, denn in dieser Disziplin haben sich eine Reihe von Community Managern formiert, deren Fokus eher darauf liegt, Nutzer möglichst lustig bloßzustellen oder zu diffamieren. Meiner Meinung nach eine sehr unangenehme Entwicklung. Warum? Was hier bei einem Teil der Zielgruppe gut ankommt, hat für andere einen extrem fahlen Beigeschmack. Dabei ist es gar nicht so schwer souverän zu kommunizieren, ohne dafür unter die Gürtellinie zu gehen. 

Was ist ein Community Manager?

Die Position des Community Managers (w/m) ist die zweite zentrale Funktion für das Social Media Engagement eines Unternehmens bzw. einer Organisation. Der Community Manager führt direkten Dialog mit den Anspruchsgruppen und ist Gesicht und Sprachrohr für seine Organisation. Gleichzeitig nimmt er die Rolle als Anwalt und Vertrauensperson der Community ein. Der Aufgabenschwerpunkt des Community Managers liegt auf dem plattformübergreifenden Dialog mit den Anspruchsgruppen seines Arbeitgebers. Dabei ist dieser für den gesamten Prozess von Auf- und Ausbau über die stetige Aktivierung bis hin zu Beobachtung und Auswertung zuständig. Quelle: Bundesverband für Community Management, digitale Kommunikation und Social Media

Unter der Gürtellinie und Arroganz ist schwierig

Seit dem Hype um möglichst bissiges Community Management, gibt es Sätze auf offiziellen Unternehmens- und Organisationsseiten, die weit unter die Gürtellinie gehen. Die unten aufgeführten Beispielsätze habe ich dabei leider schon so, oder sinngemäß so, lesen müssen.

Herablassende Antworten
Antworten, die dem Nutzer klar vermitteln, dass der Community Manager diesen für dumm, faul oder ähnliches hält.
Beispielsätze: „Da hast Du wohl nicht richtig aufgepasst.“ „Wenn Du Dir die Mühe gemacht hättest mal XYZ zu lesen…“ „Das sieht vielleicht aus Deiner Perspektive so aus“ „Kein Wunder, dass Du das nicht verstehst“ „Mit jemandem wie Dir..

Persönlich werden

Hier verlässt der Community Manager die sachliche Ebene, um den Nutzer zu diskreditieren und/oder greift diesen persönlich an.

Beispielsätze: „Wenn ich mir Dein Profil so ansehe…“ „Bei Deiner Rechtschreibung….“ „Kein Wunder das jemand wie Du…“

Die Gratwanderung – Ironie und Sarkasmus

Nicht jeder versteht Ironie und Sarkasmus, das macht so manchen Scherz zu einem gefühlten Angriff. Um die Zwischentöne zu verstehen, benötigt der Mensch Empathie und „Theory of Mind“, also „die Fähigkeit, psychische Zustände wie Gefühle und Gedanken anderen Personen und sich selbst zuzuschreiben“. (Quelle und mehr dazu hier) Bevor ein Community Manager sich dieser Stilmittel bedient, sollte er stets prüfen, ob sein gegenüber (und die Zielgruppe) diese Spielart der Kommunikation auch versteht. Sonst haben Ironie und Sarkasmus einen ähnlich diffamierenden Effekt, wie die bisher genannten Punkte.

Was passiert wenn Marken so mit ihren Nutzern sprechen?

Alle diese Szenarien haben gemeinsam, dass sie dem Nutzer in irgend einer Weise Unzulänglichkeiten unterstellen und/oder diesen öffentlich Abwerten. Das mag ja teilweise gefühlt gerechtfertigt sein, es passieren aber gleich mehrere Dinge:

  1. Ein Teil der Nutzer wird sich darüber amüsieren. Natürlich, Menschen sind schadenfroh – zumindest solange es nicht sie persönlich, oder jemanden nahestehendem aus dem eigenem Umfeld betrifft. Das Resultat sind hier Likes und Co.
  2. Der angesprochene Nutzer wird wütend oder betrübt oder noch mehr dazu motiviert dem Community Management das Leben schwer zu machen.
  3. Für den Teil der Nutzer, die nicht mit Schadenfreude reagieren verliert das Unternehmen / die Marke an positiver Wahrnehmung. Warum? Stellt Euch einfach mal vor, dass Ihr in einem Restaurant mitbekommt, wie der Kellner mit dem Kunden am Nebentisch auf diese Art und Weise spricht. Das führt bewusst oder unterbewusst dazu, dass Mensch die beobachtete Situation auf sich überträgt und sich fragt, ob er auch so behandelt werde möchte.  Die Antwort auf diese Frage wird in der Regel „Nein“ heißen, auch wenn diese Art der Behandlung in manchen Regionen eine gewisse Kultur hat (Hallo Berlin ;)). Je emotionaler das Thema und je höher die Identifizierung der Zuschauer mit dem „Opfer“, desto größer ist dabei der Imageverlust. (Ich weiß dieser ist manchen Unternehmen völlig egal, weil die Rotzigkeit fester Bestandteil der Strategie ist.)
  4. Im Kontext von Krisenkommunikation erreicht der Community Manager mit einem solchen Verhalten eine Verhärtung der Fronten. Der Angegriffene fühlt sich in seiner Meinung nur bestätigt und bekommt durch die Opferrolle auch noch die Möglichkeit, diese ein Stück weit Glaubwürdiger in seinen Kreisen zu verbreiten (Schaut, die machen sich doch nur über uns lustig).
  5. Das Niveau sinkt. Community Manager haben eine Vorbild-Rolle in der Community. Fangen diese an auf unflätige Art und Weise mit ihren Nutzern umzugehen, ist es nicht verwunderlich, wenn die Nutzer im gleichen Ton nachziehen. Das führt zu weniger Niveau, was die Hemmschwelle für „gute Nutzer“ steigert, sich aktiv einzumischen.
  6. Ein lustig sein „auf Teufel komm raus“, führt insbesondere auf Facebook dazu, dass unflätige und wenig sinnvolle Kommentare in den Vordergrund rücken. Wieso? Ganz einfach Facebook sortiert die Kommentare nach vermeintlicher Relevanz, wird also ein Kommentar möglichst lustig beantwortet und bekommt dafür Likes, wandert dieser automatisch unter die ersten beiden Kommentare pro Beitrag, die im Newsfeed angezeigt werden. Diese Kommentare repräsentieren für die Mehrheit der Nutzer dann das Niveau der jeweiligen Seite.

In der Regel geht es dem Community Manager um Punkt Eins, wenn er über das Ziel hinaus schießt, er sollte sich aber auch immer fragen, ob es sich dafür lohnt, Punkt Zwei bis Sechs in Kauf zu nehmen.

Schnodderige Markenkommunikation mit Methode

Es gibt Marken, die konsequent in einer Tonalität kommunizieren, für die so manche Oma früher ihrem Enkel den Mund mit grüner Seife ausgewaschen hätte. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, diese schnodderige Art bleibt aber Geschmacksache. Es funktioniert bei einer jungen, hippen Zielgrutruefruitsppe und mit der Attitüde, dass die Menschen sowieso kaufen. Also wären wir wieder bei Berlin (Ich habe nichts gegen die Stadt, ehrlich, ich bin sogar sehr gern dort zu Besuch ;)). Einer der Inbegriffe dieser Kategorie ist wohl true fruits Smoothies. Frech, Fruchtig und teilweise eben auf dem ganz schmalen Grad zwischen frech und unverschämt. Das aber konsequent in der gesamten Kommunikation, was auch schon das eine oder andere Mal mit einem Shitstorm beantwortet wurde. Wer hier eine dumme Frage stellt, bekommt auch eine Dumme Antwort, was auch dazu führt, dass die Nutzer teilweise aus genau diesem Grunde Fragen stellen.Insgesamt also Kommunikation die polarisiert, was ja auch ein Ziel sein kann, denn so bleibt man im Gespräch.

Emphatischer Dialog auf Augenhöhe

Eines der älteren Paradebeispiele ist hier der Dialog der Bahn mit einer Nutzerin, die die „Beziehung“ beenden möchte (siehe Galerie 1). Für mich persönlich ein Beispiel dafür, wie Community Management sein sollte – authentisch, emphatisch und, wenn es passt, mit einem kleinen Augenzwinkern. Der Mitarbeiter spiegelt die Ansprache der Kundin perfekt und geht in der gleichen Tonalität auf ihr Anliegen ein. 

Ähnlich verhält es sich bei dem humorvollen Schlagabtausch zwischen Netflix und einem Kunden (siehe Galerie 2). Der Community Manager verwandelt den Dialog in ein fiktives Beziehungsgespräch mit hohem Unterhaltungswert für Außenstehende. Die Reichweite, die dieser Dialog durch Blogbeiträge und Online-Magazine bekommen hat, liegt bestimmt im sechsstelligem Bereich.

Souverän ist – sich selbst nicht so ernst nehmen

Besonders sympathisch finde ich persönlich immer die Kommentare, bei denen Marken, oder die Community Manager selbst, durch pointierte Antworten zeigen, dass sie sich selbst nicht so ernst nehmen. Diese Art der Kommunikation hat eine höchst souveräne Wirkung und zeigt dem Gegenüber und der Community gleichzeitig, dass man emphatisch reagieren kann. Die Beispiele von Lidl und BVG hier, sind jeweils auf ihre eigene Art und Weise charmant.
lidl BVG

 

 

Manchmal ist es auch einfach besser die Klappe zu halten

sparkasseJa, es gibt Sie die Situationen, in denen sich ein Community Manager bewusst dafür entschließen sollte, einfach mal nichts, oder wenn überhaupt nur das nötigste zu sagen. Dieser Moment kommt immer dann, wenn das Gegenüber offensichtlich nicht an einem Dialog und/oder Hilfe interessiert ist. Persönlich empfehle ich die Frage „Hat es einen Mehrwert für den Nutzer oder Außenstehende, wenn ich mich auf einen Dialog einlasse bzw. diesen weiterführe?“. Lautet die Antwort zwei Mal nein, wird erst einmal nicht weiter reagiert. Ein schönes Beispiel gibt es hier von der Sparkasse, die mit einer Katze den Trollversuch der Seite „Tattoofrei“ beendete und danach auch nicht weiter darauf einging.

Es gibt noch eine weitere Situation, in der es für einen Community Manager wichtig ist, die eigene Antwort noch ein wenig zurück zu halten. Geht das Gegenüber unter die Gürtellinie, greift einen persönlich an, oder geht es um ein Thema, auf das die eigene Reaktion sehr emotional ist, ist es wichtig sich selbst vor einer Antwort „abzuregen“. Hier hilft es wirklich, einmal um den Block zu gehen, sich eine schöne Tasse Kaffee oder Tee zu holen und auf andere Gedanken zu kommen. Außerdem sollte man einen Kollegen über die eigene Antwort schauen lassen. Mit ein wenig Distanz wirkt diese nämlich noch ein wenig anders. Und in manchen Fällen stellt man auch in solchen Situationen fest, dass keine Antwort vielleicht doch die bessere Variante ist.

Muss ich mich nun wirklich mit jedem Idioten da draußen befassen?

Die Antwort ist hier ganz klar „Nein!“ und das ist einer der wichtigsten Punkte. Wenn Ihr auf einen Störenfried reagiert und sei es nur, um diesem einen „reinzudrücken“, verschafft Ihr diesem damit zusätzliche Aufmerksamkeit. Deswegen überlegt immer ganz genau, welchen Mehrwert es hat, wenn Ihr auf einen unqualifizierten / unflätigen oder schlicht doofen Kommentar antwortet. Ein Sonderfall in dieser Konstruktion sind Beschwerden, insbesondere die gerechtfertigten, die sich in Schimpftiraden verstecken. Im Eifer des Gefechts kann ein Kunde hier schon einmal verbal entgleisen. Hier gilt es unbedingt eine Ausnahme von der gespiegelten Ansprache zu machen 😉 In einem ersten Schritt solltet Ihr ganz freundlich und souverän auf das Kernproblem eingehen und dem Kunden Eure Hilfe anbieten. Danach kommt es sehr stark auf die Situation an. Will der Kunde eigentlich keine Hilfe, sondern schlicht meckern, reicht ein zweiter Hinweis auf Euer Hilfsangebot und das folgende beobachten des Kommentarstrangs. In der Regel diskreditiert die Person sich selbst, wenn weiter geschimpft wird.

Fazit

Wirklich gute Community Manager gehen nicht nur dann in einen Dialog, wenn konkrete Anfragen an sie heran getragen werden, sondern identifizieren aktiv Gesprächsanlässe. Sie führen Gespräche mit Ihren Nutzern und werden Teil der Community. Wer eine schnodderige Tonalität im Community Management umsetzten möchte, sollte sich ganz genau Fragen, ob diese Art der Kommunikation zur Marke und der Zielgruppe passt und sich mit den Vor- und vor allem den Nachteilen dieser Kommunikationsspielart beschäftigen. Hört dabei auch immer auf das Feedback aus der Community selbst. Wie reagiert diese auf die jeweiligen Steilvorlagen, wie verändert sich die Tonart sowohl innerhalb der Community, als auch gegenüber des Community Managements. Darüber hinaus gilt – in Maßen und in der richtigen Situation eingesetzt, wirkt immer besser als krampfhaft nach Anlässen zu suchen.

Welche guten und schlechten Beispiele von Marken kennt Ihr? Ich möchte diesen Artikel gerne laufend weiter um Beispiele ergänzen und freue mich auf sachdienliche Hinweise 🙂

UPDATE

Ich habe in Rahmen des BVCM eine Erweiterung für diesen Artikel geschrieben, in dem ich außerdem auf die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Art der Kommunikation, sowie Clickbaiting eingehe. Ihr findet den Beitrag hier.

Twitter testet komplettes Redesign

Twitter testet komplettes Redesign

Anfang der Woche tauchten auf Mashable Screenshots eines völlig neuen Twitter Konzeptes auf. Die dort sichtbare Web-Oberfläche gleich mehr einer Mischung aus Facebook, Google+ und der Weboberfläche von Instagram, als dem was wir heute bei Twitter kennen.

Quelle Mashable @MattPetronzio

Quelle Mashable @MattPetronzio

Zur Zeit läuft dieses Design nur bei einer handvoll Testnutzern und wird laut diesen ständig verändert. So wurde das dreispaltige Design wieder auf eine Spalte zurück geändert. Wir dürfen also gespannt sein, wie Twitter in der Zukunft aussieht und welche neuen Möglichkeiten sich daraus für Unternehmen ergeben.

Die Geschichte der Social Networks

Die Geschichte der Social Networks

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was Sie heute an Plattformen vor sich haben und welche Entwicklungen theoretisch noch Möglich sind, lohnt es sich einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Die Entwicklung von Social Media wäre ohne die darunter liegenden Sozialen Netzwerke nicht möglich gewesen. Deswegen ist es spannend zu sehen, wie diese Evolution der Plattformen vonstatten ging. Sie werden vielleicht überrascht sein, wie lange so manche Formen der modernen Möglichkeiten schon existieren.

Die frühen Anfänge – Geocities, Six Degrees und Blogger

Als so was wie der Vorläufer von sozialen Netzwerken ging 1994 Geocities an den Start. Die Seite ermöglichte Internetnutzern Ihre eigene Homepage in einer virtuellen Stadt anzulegen und verfügte über Community Features wie Chats und Foren. Geocities war in 1999 die am dritt häufigsten besuchte Seite im World Wide Web, was zu einer Übernahmen durch Yahoo führte. In 2009 stellte Yahoo die Seite, bis auf die Japanische Version, ein. Das Internet Archive ermöglicht Ihnen jedoch unter http://archive.org/web/geocities.php einen Rückblick in die ersten Schritte von Social Media.

In 1997 öffnete das erste soziale Netzwerk, in der Form wie Sie es heute kennen – SixDegrees (siehe Abbildung 1.2). Es wurde in 1997 eröffnet und brachte es seinerzeit auf 1.000.000 Nutzer. Nach einem Verkauf der Seite in 2000 wurde SixDegrees 2001 für die Öffentlichkeit geschlossen.

sixdegrees

Abbildung 1.2: Die Startseite von SixDegrees

In 1999 startete die ersten beiden Blogging Plattformen LiveJournal (http://livejournal.com) und  Blogger (http://blogger.com). Letztere wurde in 2003 von Google gekauft. A pro pos Google, der Suchmaschinengigant starte gerade einmal zwei Jahre vorher in 1997.

In 2000 platzte die sogenannte Dot-Com-Bubble (Dotcom Blase) und führte zu einem Einsturz an der Börse, sowie in das Vertrauen in InternetGeschäftsmodellen.[1]

Nach der .com Bubble –  Wikipedia, Friendster und MySpace

Die Online Enzyklopädie Wikipedia, startete in 2001. Bereits innerhalb des ersten Jahres konnten Artikel in 18 Sprachen bearbeitet werden.

In 2002 wurde das Social Network Friendster gegründet (http://friendster.com) und schaffte es innerhalb von drei Monaten auf drei Millionen Nutzer. Für damalige Zeiten und gerade einmal 70 Millionen Computern, die Zugang zum Internet boten, ein Rekord. Bis April 2004 konnte sich Friendster als das größte soziale Netzwerk der Welt behaupten, doch durch immer stärke werdende Probleme mit der Stabilität der Webseite, kehrten immer mehr Nutzer Friendster den Rücken zu. MySpace (http://myspace.com), das von Friendster inspiriert in nur 10 Tagen programmiert wurde, empfing diese Nutzer mit offenen Armen. Der Friendster Gründers Jonathan Abrams sagte der Los Angeles Times in 2009 rückblickend dazu

MySpace was basically saying, ‚Hey, we copied it. And our site works. So, use us instead,‘[2]

Bereits im März 2004 überholte MySpace Friendster im Hinblick auf die Seitenabrufe und erreichte im August 2006 stolze 100 Millionen Nutzer. Der Schwerpunkt von MySpace war von Beginn an Musik, da der Gründer, Tom Anderson, seine Kontakte in die Musikszene dazu nutzte Künstler und Bands auf die Plattform zu bringen. Darüber hinaus galt MySpace als bunter und hipper als Friendster. Im Vergleich zu heutigen Zeiten sahen die Startseiten von beiden Netzwerken eher schlicht aus (siehe Abbildung 1.3).

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Abbildung 1.3: Startseiten von MySpace (oben) und Friendster (unten)

Friendster repositionierte sich in 2011 als SocialGamingSeite, MySpace bekam, unter der Führung von Sänger Justin Timberlake, in 2013 einen kompletten Neuanstrich.

Mit dem Fokus auf Geschäftskontakte starteten in 2003 die amerikanische Seite LinkedIn (http://linkedin.com) und wenig Monate später auch das deutsche XING ( http://xing.com damals unter dem Namen OpenBC). Beide Netzwerke entwickelten sich über die Jahre zu den Lieblingsplattformen für die Personalsuche und SocialMediaAktivitäten im B2B Umfeld.

Und noch ein bekannter Dienst hat seine Wurzeln in 2003, Del.icio.us, der Vorreiter in Sachen Social Bookmarking.

Was ist Social Bookmarking?

Als Social Bookmarking, werden Internet-Lesezeichen genannt, die gemeinschaftlich von mehreren Nutzern erstellt und genutzt werden.

Der Boom Facebook, Youtube, Twitter und Co

In den folgenden Jahren ging es Schlag auf Schlag weiter. 2004 war das Geburtsjahr von Facebook sowie des Fotodienstes Flickr, der knapp ein Jahr später von Yahoo gekauft wurde. Die Geschichte von Facebook werde ich Ihnen im Abschnitt 1.3.1 noch genauer darlegen.

StudiVZ wurde als erstes Netzwerk der VZ Gruppe in 2005 gegründet und schaffte es bis Mai 2009 im Deutschen Markt das Netzwerk Nummer Eins zu bleiben. Überholt wurde es, wie sollte es anders sein, von Facebook. Den rasanten Abstieg von StudiVZ, auf Basis der Seitenbesuche, haben die Betreiber der Seite http://wannstirbtstudivz.net/ visualisiert (siehe Abbildung 1.4). Konnte die Seite im Mai 2010 noch mehr als 450.000.000 Besuche verzeichnen, so liegt diese Zahl im Januar 2013 schon unter 20.000.000.

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Abbildung 1.4: Anzahl der Besucher(Visits) pro Monat auf StudiVZ Quelle: http://wannstirbtstudivz.net/

Da der damalige VZ-Chef Clemens Riedel 2011 in einem Interview mit netzwertig.com selbst sagte, Alle unsere Nutzer sind bei Facebook“, bin ich angesichts dieses Umstandes, in Kombination mit denen im Vergleich verschwindend geringen Besuchszahlen, in meinem Buch nicht ausführlich auf die VZ-Netzwerke eingegangen.

Youtube (http://youtube.com) wurde in 2005 von drei ehemaligen Paypal Mitarbeitern gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu der erfolgreichsten Videoplattform weltweit. Google erkannte dieses Potenzial sehr früh und akquirierte Youtube in 2006.

Twitter startete in 2006 und läutete mit der Limitierung von Tweets auf 140 Zeichen die Ära des Microbloggings ein. Twitter gewann in 2007 den Award in der Kategorie Blogs auf der größten Internetkonferenz in den USA, der South by Southwest (SXSW).

Das erste iPhone von Apple erschien in 2007 und markierte mit seiner Multitouch-Oberfläche einen Wandel in der Bedienung von Smartphones von der Tastatur zum Touchscreen.

Im gleichen Jahr startete auch der Blogging-Dienst Tumblr, der im Mai 2013 von Yahoo gekauft wurde. Interessant in 2007 ist noch das fruchtlose Angebot von Google, Facebook für 15 Milliarden zu kaufen.

2009 bringt Microsoft seine Suchmaschine Bing an den Markt, um in den Wettbewerb mit dem Marktführer Google zu treten. Über die Jahre schloss Bing Kooperationen mit Yahoo, Facebook und dem chinesischen Suchmaschinen Marktführer Baidu.

Foursquare, veröffentlichte seine App im gleichen Jahr auf besagter South by Southwest Internet Konferenz und war von Beginn an ein Erfolg. So erfolgreich, das manche Nutzer die Sicherheitsrisiken, die mit dem öffentlichen Teilen  des eigenen Standpunktes einhergehen, vergaßen. Um auf diese Risiken aufmerksam zu machen, startete http://pleaserobme.com/ und ermöglichte jedermann sich alle Check-ins zu einer Stadt anzeigen zu lassen, die öffentlich auf Twitter geteilt wurden (siehe Abbildung 1.5).

pleaserobme

Abbildung 1.5: Please rob my zeigt an, wer wo eincheckt

Heute erlaubt diese Seite nur noch einzelne Twitter Accounts auf Check-ins auf Foursquare zu prüfen.

Das Oxford Dictionary kürt ebenfalls in 2009 „unfriend“, also einem Facebook-Freund die Freundschaft zu kündigen, zum Wort des Jahres.

Der SocialImageBookmarkingDienst Pinterest debütierte in 2010, ebenso das Foto-Netzwerk Instagram, welches zunächst exklusiv auf iOS lief und erst in 2012 eine Version für Android veröffentlichte. Instagram wurde in 2012 von Facebook gekauft.

2011 startet Google sein eigenes Social Network Google+ und erreicht innerhalb von etwas mehr als zwei Wochen bereits eine Nutzerschaft von mehr als zehn Millionen Menschen.

Status Quo – Kampf der Giganten

Facebook Anfang 2014 mehr als einer Milliarde Nutzer, Google+ und Twitter jeweils mehr als 500 Millionen und LinkedIn über 200 Millionen Nutzern. Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen kommt durchaus die Frage auf, ob in diesem Kampf der Giganten, ein neues Netzwerk überhaupt noch eine Chance hat. Das die Antwort hier Ja lautet, zeigt nicht nur die Historie, sondern auch Erfolgsgeschichten, wie die von Instagram, welches heute auch schon mehr als 100 Millionen Nutzer hat. Das Zauberwort lautet hier Nische, bedeutet sich auf eine Sache zu spezialisieren und darin richtig gut sein.

Dennoch, heute steht Facebook an der Spitze der sozialen Netzwerke in Deutschland und das sowohl in Hinsicht auf die Nutzerzahlen, als auch auf die Besucher pro Monat. Dies veranschaulicht die Grafik von Mathias Brandt (siehe Abbildung 1.6), die auf der Statistik Plattform Statista veröffentlicht wurde.

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Abbildung 1.6: Besucher sozialer Netzwerke in Deutschland Quelle: Statista

Die Zahlen für März 2013, zeigen, dass Facebook mit 39,2 Millionen Besuchern, weit vor Google+ und XING mit 6,7 und respektive 5,2 Millionen liegt. Hinter Twitter mit 3,7 Millionen zeigen sich ein paar Überraschungen. So rangiert zum Beispiel das russische Netzwerk Odnoklassniki (http://www.odnoklassniki.ru/ ) noch in den Top 10 und das in 2010 gegründete, lettische Frage und Antwort Netzwerk ask.fm, liegt noch vor den deutschen Wettbewerbern wer-weiß-was und gutefrage.net.

Schauen Sie sich die Entwicklung der Netzwerke genau an, es bleibt spannend, wie diese in den nächsten Jahren weiter geht.

Tipp: Die Weltkarte der sozialen Netzwerke

Der Social Media Analyst Vincenzo Cosenza analysiert seit 2009 die beliebtesten Sozialen Netzwerke weltweit und fasst seine Ergebnisse in einer Weltkarte zusammen. Die aktuelle Version finden Sie jeweils unter http://vincos.it/world-map-of-social-networks/.

 


[1] Weitere Informationen dazu unter http://de.wikipedia.org/wiki/Dotcom-Blase

Möglichkeit und Nutzen der Pinterest Place Pins

Möglichkeit und Nutzen der Pinterest Place Pins

Die visuelle Social-Bookmarking Plattform Pinterest hat in der vergangenen Woche die “Place Pins” eingeführt. Place Pins ermöglicht Ihnen Pins mit einem Ort auf einer Karte zu verknüpfen. Place Pins enthalten also neben den Pinterest-typischen Funktionen wie Bild, Video, Überschrift, Beschreibungstext und Quelleninformation, die Adresse und Geoinformationen, sowie wenn vorhanden, sogar die Telefonnummer des Ortes. Mehrere Pins können dabei auf einem “Placeboard” (siehe Bild) gesammelt und dargestellt werden. Sie können die Karten sowohl individuell, als auch kollaborativ mit mehreren Personen bearbeiten. Darüber hinaus sind die Karten auch mobil abrufbar.

 

Gastronomic Travel

Basics – Was ist Pinterest?

Pinterest, ein Wortspiel aus Pinboard (Pinnwand) und Interest (Interesse), ist ein visueller Social Bookmarking Dienst, auf dem die Nutzer Bilder mit einer kurzen Beschreibung (Pins), auf virtuellen Pinnwänden (Boards) festhalten können. Mit Hilfe einer kleinen Browser Erweiterung kann so jedes beliebige Bild aus dem Internet in das passende Album abgelegt werden. Als angemeldeter Nutzer können Sie anderen Mitliedern folgen und bekommen dann auf der Startseite deren Pins angezeigt. Jeder dieser fremden Pins kann geliked und in die eigenen Boards weitergepinnt werden. Im Unterschied zu Instagram geht es bei Pinterest nicht primär um selbstgemachte Fotos, sondern um interessante Bilder, die die Nutzer sammeln und mit der Community teilen.

Welchen Nutzen haben Unternehmen von den neuen Place Pins?

Diese neue Funktion eröffnet eine Reihe von Möglichkeiten, die insbesondere für die Reisebranche und Ladenketten interessant sind. Ein paar Ideen für die Nutzung wären hier:

  • Darstellung aller Hotels auf einer Karte, mit Empfehlungen für die Freizeitgestaltung um die Hotels herum
  • Interaktiver Reiseführer mit allen Sehenswürdigkeiten
  • Liste der besten Restaurants / Bars / Läden / Friseure etc.
  • Darstellung aller Filialen inklusive der am nähesten gelegenen Bus- oder Bahnstation
  • Liste aller Ladengeschäfte, die das eigene Produkt führen

Eine sehr gelungene Übersicht von Beispielen bietet Pinterest selbst in dem zugehörigen Blogbeitrag zur Veröffentlichung an. Schauen Sie sich unbedingt in den Boards um und lassen Sie sich davon inspirieren.

So erstellen Sie Ihr eigenes Placeboard.

Ein Placeboard ist im Endeffekt nur eine Variante eines “normalen Boards”. Entsprechend müssen Sie in diesem Prozess nur “Add a Map” auswählen und schon haben Sie eine Karte. Alternativ können Sie auch ein bestehendes Board um eine Karte ergänzen, indem Sie diese in den Einstellungen hinzufügen.

Fazit

Pinterest bietet mit den Place Pins eine Reihe von interessanten neuen Möglichkeiten für Unternehmen, die Bandbreite der kreativen Ideen werden wir hier in der nächsten Zeit erleben. Interessant ist an dieser Stelle die Frage, ob sich zukünftig auch Bewertungen in die Place Pins integrieren lassen.

Qype wird zu Yelp – was Unternehmen jetzt wissen müssen

Qype wird zu Yelp – was Unternehmen jetzt wissen müssen

So schnell kann es gehen, Mitte Oktober (und damit 2 Wochen nach Drucktermin) wurde bekannt gegeben, dass Qype bereits Ende Oktober abgestellt und in Yelp aufgehen wird. In diesem Artikel möchte ich Ihnen zeigen, welche Konsequenzen das hat, in den nächsten Tagen werde ich eine aktualisierte Version des entsprechenden Abschnittes aus meinem Buch hier posten.

Hintergrund: Sowohl Qype als auch Yelp sind Bewertungsplattformen, auf denen die Nutzer Restaurants, Geschäfte und Dienstleister bewerten können bzw. konnten. Im deutschen Markt war Qype der Platzhirsch mit starker Marke und wurde im Oktober 2012 für rund 50 Millionen Euro vom amerikanischen Konkurrenten Yelp übernommen. Von diesem Zeitpunkt, bis zur kurzfristigen Ankündigung der Schließung, wurde Qype unter dem Namen „Qype, a Yelp Company“ weitergeführt.

Was passiert mit meinem Unternehmensprofil?

Ihr Unternehmensprofil können Sie „mitnehmen“, so ganz reibungslos läuft dies scheinbar nicht (mehr dazu gleich in „Was passiert mit meinen Bewertungen“). Ein ganz großer Nachteil ist jedoch – die Kommentare, die Sie als Unternehmensinhaber zu den Bewertungen Ihrer Kunden geschrieben haben, werden leider nicht übernommen.

Was passiert mit meinen Bewertungen?

Yelp hat zunächst einmal alle Bewertungen und Fotos der Beiträge übernommen. Die Nutzer müssen Ihren Account  manuell zu Yelp umziehen oder können eine Löschung des Accounts beantragen. So steht es zumindest in den FAQ.

In den Diskussionen der Platz-Inhaber (z.B. hier und hier und hier auf Facebook) wird allerdings deutlich, dass es zumindest aktuell noch Unstimmigkeiten bei der Übertragung der Bewertungen gibt. Zunächst setzt Yelp bei der Migration noch eine eigene Qualitätsprüfung an, die Bewertungen filtert, nur nach bestimmten Kriterien in die Sternebewertung einfliessen lässt und erst auf Klick anzeigt. Die genauen Kriterien sind hierbei bewusst ungewiss, in den FAQ heisst es dazu:

  • Was sind gefilterte Beiträge? Wir versuchen die hilfreichsten und zuverlässigsten aus den Millionen Beiträgen auf der Seite anzuzeigen. Nicht alle Beiträge schaffen es auf eine Geschäftsseite. Diejenigen, die es nicht schaffen, werden auf einer separaten Seite als „Gefilterte Beiträge” veröffentlicht. Gefilterte Beiträge fließen nicht in die gesamte Sternchenbewertung für ein Geschäft ein. Yelper können diese Beiträge aber trotzdem lesen, indem Sie auf den Link unterhalb der Geschäftsseite klicken.
  • Wie legt Yelp fest was genau gefiltert wird? Wir benutzen eine Filter-Software, die uns dabei hilft herauszufinden welche Beiträge und Tipps von den Millionen die auf der Seiter zu finden sind, herausgefiltert werden sollen. Diese Software wägt dabei einige Faktoren. Du kannst dir dazu gerne ein kurzes Video ansehen.
  • Warum wurde dieser bestimmte Beitrag gefiltert? Wir haben den Filter ganz bewusst so entworfen, dass es schwer ist herauszufinden, wie er genau funktioniert – sonst würde ständig jemand versuchen, den Filter mit falschen Bewertungen auszutricksen. Obwohl wir die genauen Bestandteile des Filters undurchsichtig halten, sind die Regeln trotzdem für jedes Geschäft und jeden Beitrag gleich.

Für großen Unmut sorgt dabei aktuell, dass positive Bewertungen, zumindest gefühlt, deutlich häufiger rausgefiltert werden, während die negativen Bewertungen bestehen bleiben. Hier ruft das Community Team von Yelp zur Geduld auf, da die Bewertungen nicht 1:1, sondern schrittweise übertragen werden und dabei positive häufiger im Spamfilter hängen bleiben. Letzteres ist einleuchtend, denn wenn ein Platz  auf einen Schlag sehr viele positive Kommentare bekommt, ist das im „normalen Betrieb“ oftmals ein Zeichen für Spam. Vermutlich müssen diese übereifrig markierten Beiträge manuell wieder freigeschaltet werden. Zunächst empfiehlt sich hier entsprechend ein wenig Geduld, auch wenn es schwer fällt. Bei großen Verlusten von positiven Bewertungen, sollten Sie jedoch den Support kontaktieren. Langfristig halte ich den Qualitätsfilter übrigens für eine gute Sache, positive Bewertungen bekommen so einen wesentlich höheren Stellenwert und Spammer, sowie Fake-Bewertungen haben es deutlich schwerer.

Was muss ich sonst noch beachten?

Sie haben auf Ihrer Homepage und in Ihrem Geschäft das Qype Logo integriert? Dann müssen Sie diese jetzt gegen das Yelp Logo austauschen. Den Quellcode für die Yelp Buttons bekommen Sie im Bereich für die Unternehmensinhaber.

Eine weitere Änderung ist, dass Yelp es nicht begrüßt, wenn Sie Ihre Kunden um Bewertungen bitten. Ein „Sie finden uns auf Yelp“ ist ok, ein „Bewerten Sie uns auf Yelp“ dagegen nicht. Warum das so ist, begründet Yelp in den FAQ für Unternehmen. Entsprechend gibt es die Aufkleber, die Unternehmen bei Qype kostenlos anfordern konnten, nun nicht mehr, aber zumindest bietet Yelp auf Flickr ein Set von Grafiken an, die Sie für die Erstellung von Schildern nutzen können. Zur Zeit leider alles noch auf Englisch, ich hoffe, dass hier zeitnah eine Lokalisierung erfolgt.

Mein persönliches Fazit

Zunächst einmal Hochachtung an die Community Manager und Support Mitarbeiter bei Yelp. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie diese gerade von empörten Unternehmensinhabern und Nutzern überrannt werden. Es war absehbar, dass Yelp als börsennotiertes Unternehmen seine eigene Marke stärken möchte und es langfristig keinen Sinn macht, beide Portale parallel zu führen. Trotzdem hätte Yelp imho die Nutzer und vor allem die Unternehmensinhaber besser abholen müssen, zum Beispiel mit Leitfäden oder einer genauen Erklärung wie die Migration abläuft und welche (temporären) Konsequenzen dies hat. Darüber hinaus empfinde ich 9 Tage zwischen Ankündigung und Schließung als zu kurz, wahrscheinlich würden die fehlenden, positiven Beiträge nicht so stark wirken, wenn parallel noch die „ursprüngliche“ Quelle online wäre.

Trotzdem sollten Sie Yelp eine Chance geben, denn Online Bewertungen werden immer wichtiger für die Kaufentscheidungen und Yelp wird hier jetzt die Plattform der Wahl werden. Ausserdem ist Yelp die Informationsdatenbank für „Places“ in der Maps-Applikation im iOS-Betriebssystem (iPhone, iPad, iPad Mini), eine riesige Zielgruppe, die Sie mit guten Bewertungen auf  Yelp für sich gewinnen können.

Videokampagne ohne Video

Videokampagne ohne Video

Manchmal reicht eine gute Idee, um auf YouTube ohne ein Video von sich reden zu machen. Wer kennt Sie nicht, die YouTube-Videos, die mit einem »Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar« darauf hinweisen, dass dieses Video nicht gezeigt werden darf. Genau dieses Prinzip machte sich die Stiftung Artenschutz in einer Tierschutzkampagne zu Nutze. Die Videos in dem YouTube-Kanal von Mr Funimal  verleiten mit Vorschaubildern, die auf lustige oder niedliche Inhalte hoffen lassen, zum Klicken.

stiftungartenschutz

 

Tut der YouTube-Nutzer dies, sieht er statt der Harlem Shake tanzenden Papageien oder eines niesenden Babyschweins nur die Botschaft, dass dieses Video aufgrund von »menschlicher Profitgier«, »Jagdfieber« oder »Rücksichtslosigkeit« nicht mehr verfügbar ist. Dass es sich um ein Video der Stiftung Artenschutz handelt, sieht der Nutzer erst am Ende eines Videos oder wenn dieser sich direkt auf der Kanalseite von Mr Funimal befindet. Auf diese Weise erreicht die Stiftung Artenschutz das jüngere, spaßorientierte Publikum auf YouTube und regt zum Nachdenken an.

Diese Kampagne ist aus meiner Sicht ein gutes Beispiel dafür, dass Sie mit einer guten Zielgruppenkenntnis und einer klugen Idee gar nicht einmal richtige »Videos« produzieren müssen, um Aufmerksamkeit auf YouTube zu erreichen.

Was tun bei gefälschten Bewertungen?

Was tun bei gefälschten Bewertungen?

Ein Phänomen, das leider auch vorkommt, sind gezielte Kampagnen mit negativen Bewertungen durch die Konkurrenz. Obwohl die meisten Portale Mechanismen für diese Angriffe haben, schaffen es sehr professionell angelegte Aktionen, an diesen Filtern vorbeizukommen. Da negative Bewertungen in der Regel kein Grund für die Löschung einer Bewertung sind, liegt es in der Kulanz des Plattformbetreibers, ob er einen Beitrag löscht, der keinen strafrechtlichen Verstoß wie Verleumdung darstellt. Indizien für gefälschte Bewertungen können sein:

  • Der Autor verwendet ein Pseudonym oder einen Allerweltsnamen.
  • Die Rezension ist wenig gehaltvoll und/oder extrem denunzierend.
  • Viele Rezensionen sind kurz nacheinander, zu seltsamen Uhrzeiten und im ähnlichen Stil verfasst.
  • Die Profile der Autoren sind wenig oder sehr ähnlich ausgefüllt. Wenn Profilbilder vorhanden sind, sind diese unklar oder eindeutig aus der Google-Bildersuche geklaut. Ob Sie ein Profilbild online finden, können Sie hier prüfen: http://images.google.com/imghp.
  • Gefälschte Buchrezensionen

Einen ausführlichen Artikel mit sehr guten Hinweisen zum Thema gefälschte Buchrezensionen finden Sie bei Galileo Press (http://www.galileo-press.de/artikel/gp/artikelID-345), der mit dieser Thematik zu kämpfen hatte. Die dortigen Ausführungen lassen sich auch gut auf andere Bereiche übertragen.

Sammeln Sie Indizien für die gefälschten Bewertungen, und legen Sie dem Betreiber diese zusammen mit Ihrer Vermutung vor. Je eindeutiger hier die Sachlage, desto höher ist die Chance auf eine sofortige Löschung.

Sollte sich der Betreiber dennoch weigern, die vermeintlich gefälschte Bewertung oder Rezension zu löschen, bleibt Ihnen nur noch der Weg über den Anwalt. Da dies oftmals ein sehr langwieriger Prozess ist, lohnt es sich, zufriedene Kunden dazu zu animieren, Ihre Meinung öffentlich kundzutun. Denn 100 positive im Vergleich zu zehn negativen Bewertungen lassen die letzteren schon weniger dramatisch erscheinen.

Profi-Tipps für Videoinhalte

Profi-Tipps für Videoinhalte

Ich habe mich mit einer Reihe von Profis über das Thema „Was macht Videos so richtig gut?“ unterhalten und dabei kam eine Liste an Tipps und Tricks zusammen, die ich Ihnen hier weitergeben möchte.

Überlegen Sie genau, was das Video aussagen soll

Überlegen Sie sich genau, welche Botschaft Sie mit dem Video an die Zuschauer überbringen und welche Reaktion Sie erreichen möchten. Diese Botschaft ist die Basis für die Geschichte, die in dem Video erzählt wird und zugleich der rote Faden.

Erzählen Sie eine Geschichte

Und da wären wir wieder bei dem Stichwort Storytelling. Achten Sie darauf, dass das Video in die Geschichte Ihres Unternehmens passt, diese ergänzt und dabei selbst eine Geschichte erzählt. Idealerweise auch ohne Ton, schauen Sie sich das Video noch einmal ohne Ton an, kommt die Botschaft immer noch wie gewünscht an?

Lassen Sie sich inspirieren

Sie müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können sich von dem inspirieren lassen, was funktioniert oder eben nicht. Schauen Sie sich ruhig die Videos der Wettbewerber und vergleichbarer Branchen an. Ergoogeln Sie sich die Reaktionen in der Blogosphäre und in den Medien, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was gut ankommt.

Haben Sie Spaß an dem, was Sie tun

Das Eingangsbeispiel von Gary Vaynerchuck zeigt, wenn der Mensch vor der Kamera mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Videos auch gut bei Ihrem Publikum ankommen.

Schreiben Sie ein Skript

Komplett ohne Plan einfach so draufloszufilmen geht meistens schief. Halten Sie zumindest ein grobes Skript schriftlich fest, und fangen Sie die gewünschten Szenen anschließend Stück für Stück ein.

Nehmen Sie in HD auf

Selbst die meisten gängigen Smartphones sind mittlerweile in der Lage, Videos in HD-Qualität (High Definition) aufzunehmen, nutzen Sie das aus. Nichts ist störender als ein pixeliges Bild. Eine gute HD-Kamera ist entsprechend ein Investment, das Sie mit in Ihr Budget einrechnen sollten.

Bearbeiten Sie Ihr Video

Die wenigsten Videos gelingen in einem Schritt. Entsprechend sollten Sie sich die Mühe machen und sich eines der Videobearbeitungsprogramme aneignen oder jemanden finden, der das kann, wenn Sie dafür keine Agentur haben. Tipps dazu finden Sie in meinem Buch im Abschnitt 11.3.4, »Multimediale Ergänzungen für Ihre Beiträge«.

Die richtige Länge

Wie lange ein Video sein sollte, hängt natürlich auch immer von dem Zweck des Videos ab. So kann eine Videoanleitung durchaus 10 Minuten lang sein, während eine Produktvorführung eventuell schon mit 90 Sekunden zu lang ist. Seien Sie selbstkritisch, und setzen Sie die Zeit lieber ein wenig zu kurz als zu lang an.

Und Action

Sie müssen nicht gleich einen hollywoodreifen Actionfilm konstruieren, aber ein Video, das 10 Minuten nichts anderes als das Gesicht Ihres sprechenden Geschäftsführers zeigt, wird schnell langweilig.

Der Ton zählt so viel wie das Bild

Achten Sie darauf, dass der Ton Ihrer Videos wirklich gut ist. Dies gilt genauso für die Stimmen der Akteure, wie auch für die richtige Stimmung durch passende Hintergrundmusik. An dieser Stelle lohnt sich die Investition in ein Richtmikrofon, welche es in ausreichender Qualität bereits ab 250 € gibt. Ebenso sollten Sie ausreichend Zeit für die Auswahl der passenden Musik investieren.

Hintergrundmusik für Ihre Videos

Eine große Auswahl an stimmungsvoller, lizenzfreier Musik für den Hintergrund finden Sie zum Beispiel auf Last.fm (http://last.fm), Ende.tv (http://ende.tv) oder Soundtaxi (http://www.soundtaxi.net/). Bitte achten Sie bei der Auswahl darauf, dass der gewünschte Song auch für die kommerzielle Verwendung freigegeben ist. Fragen Sie im Zweifel direkt den Eigentümer des Stücks. Die Namensnennung mit Link am Ende des Videos ist obligatorisch.

Nutzen Sie Schlagwörter

Je besser Sie Ihre Videos mit Schlagwörtern ausstatten, desto besser werden diese auf YouTube und in Google gefunden. Überlegen Sie genau, unter welchen Keywords und Suchanfragen Sie gefunden werden möchten. Zusätzlich können Sie mit dem Google-Keyword-Tool https://adwords.google.com/o/Targeting/Explorer nach Stichwörtern suchen, die zu Ihrem Video passen. Hier lohnt sich durchaus auch ein Blick auf die Stichwörter des Wettbewerbs, um als »empfohlenes Video« im Anschluss an ein Wettbewerber-Video zu erscheinen.

Wählen Sie ein gutes Vorschaubild aus

Mitunter entscheidet das Vorschaubild eines Videos darüber, ob ein Nutzer dieses anklickt oder nicht. Sie können zu jedem Ihrer Videos manuell ein Vorschaubild bestimmen, in dem Sie auf http://www.youtube.com/my_videos unter dem gewünschten Video auf Bearbeiten klicken.

Verlinken Sie Ihre Homepage in der Beschreibung

Setzen Sie einen Link auf Ihre Homepage oder die zugehörige Kampagnenseite in die Beschreibung des Videos. Wenn Sie dies im Format http://www.beispielseite.de tun, können die Zuschauer gleich weiterklicken.

Testen Sie vor der Veröffentlichung

Egal, ob Sie selbst ein Video produzieren oder eines produzieren lassen, sollten Sie dies vor der Veröffentlichung einem Testpublikum zeigen, das nicht nur aus Mitarbeitern des eigenen Unternehmens besteht. Es passiert oft, dass sich eine gewisse Betriebsblindheit einschleicht, sprich ein Video auf Außenstehende ganz anders wirkt, als auf einen selbst. Holen Sie sich externe Meinungen und ehrliches Feedback ein, um peinlichen Missverständnissen vorzubeugen.

Promoten Sie Ihre Videos

Einfach hochladen, und dann läuft es schon? Leider in den meisten Fällen absolutes Wunschdenken. Machen Sie Ihre Fangemeinde auf Ihr Video aufmerksam, indem Sie dieses auf Ihrem Blog und Ihren anderen Social-Media-Kanälen verbreiten. Fragen Sie nach Meinungen zum Video, und weisen Sie dezent darauf hin, dass Sie sich über eine Weiterverbreitung freuen würden.

Interagieren Sie mit der Community

Einer der größten Fauxpas ist nach wie vor, Videoportale allein als Plattformen zum Hochladen und Speichern von Videos zu betrachten. Die Plattformen haben starke Communitys, die in der Regel auch sehr aufgeschlossen für Dialoge sind – im positiven wie im negativen Sinne. Ein gutes Community Management ist aus diesem Grund Pflicht.

Benchmarking Tools für Facebook

Benchmarking Tools für Facebook

Facemeter (http://www.facemeter.de/) ist eine kostenloses Verzeichnis von Facebook-Fanpages, die in die Kategorien Marken, Politik, Medien und Freizeit aufgeteilt sind. Die unabhängige Seite zeigt Fanzahlen und Interaktionen (Likes, Shares und Kommentare) zu allen erfassten Seiten übersichtlich an, eine Suche erleichtert das Auffinden einer bestimmten Seite. Fehlt die eigene oder eine gewünschte Seite, können Sie diese direkt eintragen.

Socialbakers (http://socialbakers.com): Neben umfangreichen Benchmarking-Analysen in der Pro-Version, bietet Socialbakers öffentlich ein Verzeichnis mit Statistiken zu Fanzahlen, durchschnittlicher Engagement-Rate, Score und der Wahrscheinlichkeit, mit welcher ein Fan die Seite weiterempfehlen würde. Die Fanpages können nach Kategorie und Ländern sortiert werden. Über Statistiken zu Facebook-Pages hinaus bieten Socialbakers auch solche für Twitter, YouTube, Google+ und Linked­In an.

Fanpage Karma (http://www.fanpagekarma.com/Facebook-Ranking) hilft mit einer Übersicht an Rankings zu den unterschiedlichsten Themen. Ob der Vergleich von Fanpages von Kaffeemarken, Fluglinien oder der ersten Bundesliga, in jedem Ranking finden Sie Zahlen zu Engagement, Fanzahlen und Wachstum der Seite. Sie können sich bei Bedarf selbst ein Ranking anlegen. Auch hier bietet die Pro-Version tiefere Einblicke in die Performance der eigenen Fanpage.

Allfacebook.de (http://allfacebook.de/tracking/) ermöglicht Ihnen einen direkten Vergleich von bis zu drei Seiten im Hinblick auf Entwicklung der Fanzahlen (Gesamtzahl und Veränderung) sowie der Interaktionsrate. Die Ergebnisse werden als Grafik und in tabellarischer Form ausgegeben.