Für einen meiner Community Management Workshops zum Thema Umgang mit Hassrede habe ich begonnen, die aktuell gängigsten Codes, Emojis und Formen von Algospeak zu sammeln, die Community-Teams im Netz immer wieder begegnen. Nicht, weil ich Symbol-Polizei spielen möchte. Sondern weil ich seit Jahren sehe, wie oft genau diese Zeichen unter dem Radar bleiben und Community Teams dabei helfen möchte souverän damit umzugehen.

Hass im Netz kommt heute selten in Springerstiefeln und Bomberjacke. Er kommt als Meme, als scheinbar harmloser Kommentar mit zwei Symbolen und einem Zwinkern oder als Buchstabensalat, der aussieht als wäre jemand auf der Tastatur ausgerutscht. Wenn wir diese Codes nicht kennen, lassen wir unsere Kommentarspalten offen für Hass, Ideologien, Verschwörungsmythen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Die Liste unten erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das ist auch gar nicht möglich, denn diese Codes sind dynamisch. Ein heute noch neutrales Emoji kann morgen politisch aufgeladen sein. Bedeutungen verschieben sich, Gruppierungen eignen sich Zeichen an, geben sie weiter oder tarnen sie neu. Das leider in einer hohen Geschwindigkeit.
Professionelles Community Management heißt für mich deshalb auch: beobachten, Muster erkennen, Kontexte prüfen, Auffälligkeiten hinterfragen. Recherchieren und im Team diskutieren. Ergo, die eigene Moderationspraxis regelmäßig überprüfen. Keine Sorge, das muss nicht jede Woche sein. Je nach Kontext eures Auftritts sollte der Turnus quartalsweise bis (halb)jährlich sein. Grundsätzlich empfehle ich immer, dass eine bis zwei Personen als „Emoji & Code-Beauftragte“ agieren.

Ich werde diese Übersicht fortlaufend aktualisieren und habe außerdem hier eine Tabelle angelegt, mit dem Hintergedanken, dass wir so gemeinsam ein Dokument zusammentragen, dass allen Community Manager*innen im DACH-Raum bei der Arbeit hilft! Um Manipulation zu vermeiden, ist es schreibgeschützt. Sende mir bitte eine kurze Anfrage für die Bearbeitung, oder deine Ideen an v@vivianpein.de wenn du uns mit Ergänzungen unterstützen möchtest!

Unter der Tabelle werde ich noch einordnen, wie Community Manager*innen mit Emojis und Co umgehen können.
An Ende des Artikels findet ihr außerdem ein PDF mit den Übersichten zum Download, damit ihr die Liste immer griffbereit habt, sowie eine Sammlung von Quellen und Monitoring-Orten, die ich selbst für Recherche und Einordnung nutze.

Liste der gängigsten Emojis, Codes & Co

Ohne weiteres TamTam, hier kommt nun die Liste in der die Symbole nach Kontext gelistet sind. In der erste Spalte findet ihr immer das Emoji / den Code, in der der zweiten die neutrale Bedeutung und in der dritte Spalte typische, missbräuchliche Verwendungen.

Kategorie 1: Politisch konnotierte Codes

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
💙Blaues HerzAfD-Signal im politischen Kontext
🖤🤍❤️FarbkombinationAnspielung auf Reichsflagge
🥀Trauer, ironischer Ersatz für 💔„Deutschland stirbt“ Narrativ
🤡🌍Clown-WeltSystemverachtung
🐸Frosch“Maskottchen“ der rechten Szene
🧱Ziegelstein„Grenzen dicht“ Rhetorik
🐺WolfIdentitäre Symbolik, Graue Wölfe
🦅AdlerReichsadler-Ästhetik
🛡️Schild„Schutz Europas“ Narrativ
⚔️SchwerterMilitante Nationalismus-Symbolik
⚡⚡BlitzeSS-Runen-Anspielung
🔥Flamme„Widerstand“, „Reinigung“
🩸 /  🩸🧬 / 🩸💯 /
🩸🇩🇪 / 🩸🛡️
Blut + Xethnische Reinheit und Abstammung
🧬DNAEthnische Reinheitsideologie
💊Rote Pille„Redpilled“, Radikalisierungsmetapher
🐑Schaf„Schlafschaf“
🤖Roboter„NPC“, Gehirngewaschen
🥛MilchWhite Supremacy-Meme
🥛💪Milch + MuskelWeiße Überlegenheit / White Power
💯 / 🧬 + 💯100 / DNA 100100% Deutsch
👌Alles okWhite Power
🧕✈️Frau FlugzeugAbschiebung

Kategorie 2: Rechtsextreme Zahlen- & Buchstabencodes

Emoji / CodeTypische missbräuchliche Verwendung
1414 Wörter = White Supremacist-Slogan
18AH = Adolf Hitler
28B&H = Blood & Honour
88HH = Heil Hitler
148814 + 88
444DDD = „Deutschland den Deutschen“
84HD  = „Heil Deutschland“
1161AA = Anti-Antifa
168:1Attentatsverherrlichung
311Ku-Klux-Klan
🎱🎱Ersatzcode für 88
HHHitlergruß
ZOG“Zionist Occupied Government” antisemitische Verschwörung
RAHOWA“Racial Holy War”
WP“White Power”
GNLS“Good Night Left Side” Aufruf zur Gewalt gegen „Links“
arardddarSteht für die rassistische Vertextung von L`Amour Toujours „Ausländer raus, Ausländer raus, Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.““
Döp dödö döpMelodie „L’Amour toujours“ die rassistisch Umgetextet wurde

 

Kategorie 3: Rassistische / Antisemitische Codes

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🧟ZombieGeflüchtete als Bedrohung
🐀RatteNS-Entmenschlichung
🐒AffeRassistische Zuschreibung
🐷SchweinIslamfeindliche Entmenschlichung
🫸☪Stop MondAblehnung Islam
We wuz kangsWe were kingsLächerlichmachung schwarzer Geschichte
DinduSlang-Verzerrung von „didn’t do“Rassistisches framing, dass Kriminalität unterstellt
BevölkerungsaustauschTheoriebegriff (Mythos!)Verschwörung vom „Bevölkerungsaustausch“
🧃Saft / „juice“Ersatz für „Jews“
👃NaseAntisemitische Stereotype
🧛VampirAntisemitisches „Blutsauger“-Narrativ
🩸 plus einer der Emojis 🧛 / 🧃 /👃Blut, Vampir, Saft, NaseAntisemitisches „Blutsauger“-Narrativ
💰 + 🧃Geld + SaftAntisemitische Behauptung einer „Finanzverschwörung“

Kategorie 4: Queer- und transfeindliche Codierungen

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🚫🏳️‍🌈VerbotssymbolOffene Ablehnung von LGBTQ+
🔥🏳️‍🌈Brennende FlaggeSymbolische Auslöschung / Gewaltfantasie
🤢🤮 + 🏳️‍🌈Ekel-EmojisEntmenschlichung / Abwertung queerer Menschen
🧼 + 🏳️‍🌈„Sauber machen“„Reinigung“-Rhetorik
🥝KiwiTransfeindliche Codierung (binäres Geschlechterargument)
Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🔵 / 🔴Farbcode„Nur zwei Geschlechter“-Narrativ
👶 + 👩‍❤️‍👨Baby + HeteropaarAusschluss queerer Familienmodelle
🤡 + 🏳️‍🌈Clown + PrideLächerlichmachung („Gender-Ideologie“)
🎭Theatermasken„Verkleidung“, Delegitimierung von Geschlechtsidentität
🧔‍♀️Bärtige PersonKarikierende Darstellung von Trans-Personen
🎯 + 🏳️‍🌈ZielscheibeZielmarkierung / Bedrohung

Kategorie 5: Holocaustleugnungs-Codes

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🖊️KugelschreiberAnne-Frank-Fälschungs-Narrativ
🚪HolztürGaskammer-Leugnung
🧾ZettelDokumenten-Fälschungsnarrativ
📖TagebuchAnne-Frank-Bezug
🧪Labor / GasGaskammer-Leugnungs-Anspielung

Kategorie 6: (Potentiell) Sexistisch / misogyn

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🍆AubergineSexualisierte Herabsetzung
💦WasserSexualisierte Anspielung
🤏Klein-GesteBody-Shaming
😮‍💨PhewIncel-Kontext sexuelle Frustration
304ZahlencodeFrauenabwertung („Hoe“)
🌽MaisPorn
🍒KirscheBrüste
🌮Tacoweibliches Genital

Kategorie 7: Algospeak / Umgehung von Moderation

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
💀DeadGewalt-Andeutung
🌚Dunkle AndeutungAggressiv oder sexualisiert
🌝Ironische AbschwächungRelativierung
„unalive“statt „tot“Filterumgehung
„grape“statt „rape“Filterumgehung
„SA“AbkürzungSexual Assault verkürzt
🧂SaltyAbwertung
🧠Gehirn„brainwashed“
🪓Axt„Wir schlagen zurück“-Narrativ
GoldstückeGoldGeflüchtete
⚡🪑Blitz StuhlAufforderung zur Hinrichtung
💀💉Spritze TotenkopfAufforderderung zur Hinrichtung

Kategorie 8: Allgemein abwertende Codes

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🤡ClownBeleidigung, demokratiefeindliche Delegitimierung
🧢„Lüge“Unterstellung, Diskreditierung
🙄AugenrollenDismissiv, respektlos
🥱LangeweileHerabsetzung von Beiträgen
🥴Verpeilt„Du bist dumm“
😵‍💫ÜberfordertSpott, Shaming
😹IronieSarkastische Abwertung

Kategorie 9: Allgemein “Diss“-Codes

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🔥BurnVerstärkung von Mobbing
🍿Drama beobachtenEskalationsverstärkung
👀BeobachtungErwartung von Streit
🫵Finger zeigtAggressiv, einschüchternd
✌️Peace-ZeichenPassiv-aggressiver Rückzug

Kategorie 10: TBW Codes (To be watched / Beobachtungswürdig)

Emoji / CodeNeutralTypische missbräuchliche Verwendung
🧊Eiswürfel, Kälte„Cold truth“- oder Ausgrenzungsrhetorik in Einzelfällen
🧨Feuerwerk,„es knallt gleich“-Narrative
🧴SeifeManchmal ‚Reinigungs‘-Metaphern
🏴Schwarze FlaggeIn extremistischen Kontexten vereinzelt genutzt
🏰Burg, FestungIm ‚Festung Europa‘-Narrativ
🌊Welle, WasserAls Metapher für ‚Flüchtlingswelle‘ politisch nutzbar
🐍SchlangeIn Verschwörungs- oder Feindbild-Narrativen einsetzbar
🏹Bogen, JagdMilitante oder Vergeltungs-Narrative möglich
🧳Koffer, ReiseIn Abschiebe- oder ‚Pack deine Sachen‘-Rhetorik nutzbar
🪃Boomerang„Kommt zurück“-Narrative im politischen Kontext
🧯Feuerlöscher‚Wir löschen euch‘-Metaphern in Einzelfällen

Zur Übersicht kommt ihr hier auf das PDF mit der gesamten Liste an Emojis, die das Community Management kennen muss.

Wie gehen wir im Community Management mit diesen Symbolen um?

Eine Liste zu kennen, ist ein Anfang. Im Community Management, insbesondere im Team müssen wir uns zusätzlich auf eine Linie im Umgang mit diesen einigen. Denn weder hilft es, jedes Emoji panisch zu löschen, noch ist es verantwortungsvoll, alles mit „wird schon nicht so gemeint sein“ durchzuwinken. Ich arbeite hier mit drei Ebenen und die sollte jedes Team einmal sauber für sich durchdeklinieren.

1. Klare rote Linie:

Das wird moderiert. Immer! Dazu gehören aus meiner Sicht:

  • Eindeutige rechtsextreme Codes (88, 1488, SS-Runen etc.)
  • Holocaustleugnungs-Symbolik (🖊️, 🚪 in entsprechendem Kontext)
  • Menschenfeindliche Symbolik (🐀, 🐒, 🧟, „Ungeziefer“, „Schädlinge“)
  • Offene antisemitische, rassistische oder queer-/transfeindliche Codes und Zuschreibungen
  • Gewaltfantasien oder implizite Bedrohungen (🎯 in eindeutigem Kontext)

Hier gibt es keinen Interpretationsspielraum. Das wird gelöscht, dokumentiert und gegebenfalls auch angezeigt.

Warum so klar? Weil Entmenschlichung nie harmlos ist. Sie ist historisch immer die Vorstufe von Legitimation. Wer hier relativiert, trägt zu einer Normalisierung bei. Community Management heißt an dieser Stelle für mich Verantwortung übernehmen und die eigene Kommentarspalte als Schutzraum gestalten.

2. Kontextzone: prüfen, einordnen, Muster erkennen

Hier wird es anspruchsvoll. Ein blaues Herz 💙 ist nicht automatisch ein politisches Statement. Eine Deutschlandflagge 🇩🇪 ist nicht per se Nationalismus. Ein Milchglas 🥛 ist nicht immer White Power. Hier braucht es Kontext, wofür ich gerne zum Beispiel diese Fragen stelle:

  • Steht das Symbol unter einem (migrations)politischen Post?
  • Steht es unter einem Beitrag, der gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit anzieht?
  • Werden Emojis Kombiniert wie zm Beispiel 🥛 mit 💪?
  • Ist es Teil eines wiederkehrenden Musters?
  • Taucht es in Wellen auf?
  • Kommt es aus eindeutig politisierten Profilen?

Die Antworten auf solche Fragen geben den Symbolen Kontext und begründen dann den Umgang damit. Nicht das einzelne Emoji ist entscheidend. Sondern Kombination + Thema + Häufung + Absender. Wenn aus einzelnen Symbolen ein erkennbares Narrativ wird, müssen wir reagieren.

Ein zweiter Faktor ist für mich an dieser Stelle immer die Frage: „Welchen Mehrwert hat dieser Kommentar für die Community“? Über die Jahre hat sich nämlich das Toleranzparadoxon im Community Management eingeschlichen, was dafür sorgt, dass intoleranten Menschen, Hass und abschätzigen „Kotz-Kommentaren“ so viel Bühne überlassen wird, dass Menschen mit gemäßigter Meinung schlicht keine Lust mehr haben, sich in einem solchen Sumpf zu äußern. Zur Erinnerung noch einmal das Zitat von Karl Popper:

„Weniger bekannt ist das Paradoxon der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“

Genau deswegen empfehle ich bei Emojis, die als Einzelkommentar grundsätzlich keinerlei Mehrwert für einen demokratischen Diskurs haben, wie zum Beispiel 🤢🤮🤡 oder 💩, genau zu hinterfragen, ob man diesen eine Bühne bieten muss. Einen Mehrwert für die Diskussion haben diese nämlich nie.

3. Beobachtungszone: Dynamik ernst nehmen

Codes entwickeln sich ständig weiter. Algospeak entsteht aus dem Versuch automatisierter Moderation zu entgehen und die Bedeutung von Emojis wurde und wird bewusst neu aufgeladen. Genau deswegen braucht es:

  • regelmäßige Fallbesprechungen im Team
  • Dokumentation auffälliger Muster
  • Austausch mit anderen Community-Verantwortlichen
  • gezielte Recherche wenn das Bauchgefühl anschlägt

Algospeak entsteht nicht aus Kreativität, sondern ist ein strategisches Ausweichmanöver. Plattformen und Tools moderieren automatisiert, also weichen Menschen auf Codes aus. Emojis werden neu kombiniert. Zahlen tauchen in veränderter Form auf. Harmlos wirkende Begriffe bekommen plötzlich politische Bedeutung. Manchmal schleicht sich ein Symbol leise über Wochen ein, ein anderes Mal reicht ein tiktok-Video aus, um einem Symbol wie dem hier 🚡 eine völlig neue Dimension zu geben.

Wer professionell moderiert, darf sich nicht nur auf bestehende Listen verlassen. Listen sind Momentaufnahmen. Deshalb braucht es eine aktive Beobachtungsroutine. Das beginnt im Kleinen:

  • Nehmt irritierende Kommentare ernst. Wenn ein Emoji unter einem bestimmten Thema plötzlich gehäuft auftaucht, ist das kein Zufall.
  • Wenn ein Emoji oder Code in Wellen kommt, lohnt sich die Recherche.
  • Wenn euer Bauchgefühl sagt „Das fühlt sich codiert an“, dann ignoriert es nicht.
  • Wenn auf tiktok plötzlich überall ein bestimmtes Emoji auftaucht lohnt sich ebenfalls zu schauen, was der Auslöser ist.

Beobachtung heißt also konkret: Dokumentiert gemeinsam auffällige Entwicklungen in einem geteilten Dokument oder Board mit Screenshots und plant regelmäßige Fallbesprechungen ein. Nicht nur bei Eskalationen, sondern wirklich regelmäßig und präventiv. Stellt euch die Fragen wie:

  • Welche neuen Muster sind euch aufgefallen?
  • Welche Kombinationen wirken koordiniert?
  • Wo hat sich eine Bedeutung verschoben?

Tauscht euch drüber hinaus mit anderen Community-Verantwortlichen aus. Viele Codes werden parallel in unterschiedlichen Kommentarspalten getestet. Wer gut vernetzt ist, erkennt Dynamiken früher. Genau deswegen habe ich hier eine kollaborative Liste angelegt, damit wir gemeinsam allen Community Manager*innen diesen Vorteil zu Gute kommen lassen können.

Recherchiert gezielt wenn euer Bauchgefühl anspringt. Meine ersten Anlaufstellen sind hier immer Reddit, Anti Difarmation League, Emojipedia und so banal es klingt Google. Die Kombination aus Emoji „Meaning“ oder Emoji „Bedeutung“ hat mich bisher immer zum Ziel geführt. Darüber hinaus findet ihr am Ende des Artikels noch eine große Linkliste.

Grafik mit dem Titel „Strukturierter Umgang mit Codes & Emojis“. Die Darstellung zeigt ein dreistufiges Moderationsmodell mit Ampelsystem: Rot „Löschen“ für eindeutige Rechtsverstöße und menschenfeindliche Codes, Orange „Kontext prüfen“ für politisch oder ideologisch aufgeladene Symbole, Gelb „Beobachten“ für Einzel-Emojis ohne eindeutigen Kontext. Unter jeder Kategorie stehen beispielhafte Emojis. Am unteren Rand steht das Leitprinzip: „Nicht das Emoji allein entscheidet, sondern Kontext, Kombination, Absender und Wirkung.“ Logo von Vivian Pein unten links.

Strategisches Community Management bedeutet für mich an dieser Stelle vorbereitet zu sein. Sowohl im Alltag, als auch grundsätzlich und genau deswegen möchte ich hier noch die grundsätzliche Vorbereitung als Punkt ergänzen.

4. Vorbereitung ist für strategisches Community Management Pflicht

Ob Emoji, Codes oder der alltägliche Umgang mit der Kommentarspalte, für mich muss die grundsätzliche Frage lauten:
Wie müssen wir moderieren, wenn wir uns konsequent an unseren Werten orientieren?

Diese Frage lässt sich nicht zwischen zwei Kommentaren, am liebsten noch mitten in einem Shitstorm klären. Und darf erst Recht nicht nicht abhängig davon, wer gerade Dienst hat. Denn gerade das führt zu inkonsequenter Moderation, Unsicherheiten im Team und damit Angriffsfläche für fragwürdige Gestalten.

Genau deswegen arbeite ich seit Jahren mit dem Drei-Schichten-Modell, das die Tage noch einen ausführlichen Blogbeitrag bekommt. Es hilft euch dabei einen werteorientierten Rahmen für eure Moderation zu erarbeiten, der euch im Alltag hilft sowohl mit Codes, als auch grundsätzlich mit Kommentaren umzugehen. (Ihr wollt das Workbook vorher? Schreib mir eine Mail an v@vivianpein.de mit dem Betreff: Workbook 3-Schicht-Modell)

Dabei ist die erste Schicht und gleichzeitig der nicht verhandelbare Rahmen das Recht. Strafbare Inhalte werden konsequent entfernt, dokumentiert, gegebenenfalls gemeldet.

Aber die meisten Emoji- und Code-Fälle bewegen sich nicht im Strafrecht, sondern darunter. Und genau dort kommen eure Werte ins Spiel. Die untere Ebene ist nämlich die Ethik, also eure Werte, Verantwortung und auch sowas simples wie Anstand. Hier müsst ihr euch die Fragen stellen:

  • Welche unserer Werte haben wir eigentlich?
  • Wie müssen wir moderieren, wenn wir diese aktiv in der Kommentarspalte zeigen / verteidigen?
  • Für wen gestalten wir diesen Raum?
  • Wen wollen wir schützen?
  • Welche Form von Austausch wollen wir ermöglichen?

Die Antworten auf diese Fragen bilden dann die Grundlage für die dritte Schicht, eure Hausordnung. Hier definiert ihr jetzt wertebasiert eure Leitplanken.

  • Welche Formen von Abwertung duldet ihr nicht?
  • Welche Codes widersprechen eurer Diskurskultur, auch wenn sie formal zulässig wären?
  • Wo zieht ihr eure rote Linie?

Wenn diese drei Ebenen sauber durchdacht sind, entsteht daraus eine klare Moderationslogik, sowohl für Emojis und Codes, als auch für den generellen Alltag.

Im Prozess des Drei Schicht Modells empfehle ich Teams auch immer, eine visuelle Moderationsmatrix zu entwickeln. Nicht als starres Regelwerk, sondern als verbindlichen Rahmen:

  • Wann löschen wir konsequent?
  • Wann ordnen wir ein?
  • Wo arbeiten wir mit Gegenrede?
  • Wo ignorieren wir bewusst?

Dazu müsst ihr unbedingt für euch klären welche Eskalationsstufen wann eintreten. Also zum Beispiel:

  • Wann wird ein Profil geblockt?
  • Wie viele schlimme Kommentare braucht es dafür?
  • Was sorgt dafür, dass eine Person sofort gelöscht wird?
  • etc…

Je besser ihr Vorbereitet seid, desto konsequenter und konsistenter könnt ihr moderieren. Meine Erfahrung zeigt hier außerdem, dass die Vorbereitung Community Manager*innen ein ganz anderes Selbstbewusstsein gibt.

Fazit & Appell

Emojis und Codes sind keine Randerscheinung, sie sind Teil digitaler Kommunikationsstrategien. Nicht jedes Symbol ist problematisch, aber kann, je nach Kontext, Kombination und Narrativ problematisch werden. Deshalb braucht es im Community Management drei Dinge: Wissen, Beobachtung und eine klare Linie im Umgang. Ich hoffe, dieser Artikel hat euch den Anstoß für diese drei Faktoren gegeben.

Ein Appell meinerseits zum Abschluss. Egal ob Kotz-Emoji oder brennende Regenbogenflagge: Eine meiner Leitfragen in der Moderation ist immer: Was macht es mit den Menschen, die hier mitlesen und möglicherweise selbst betroffen sind? Kommentarspalten sind nämlich keine neutralen Orte. Sie sind soziale Räume, die Wahrnehmung prägen. Wenn entmenschlichende Codes stehen bleiben, normalisieren sie sich. Wenn menschenfeindliche Narrative unwidersprochen bleiben, verschiebt sich der Rahmen dessen, was sagbar scheint. Wenn Hass und Gehässigkeit die Kommentarspalte dominieren, ziehen sich Menschen mit gemäßigter Meinung aus Räumen zurück. Community Management bedeutet deswegen auch immer Verantwortung für den Kommunikationsraum, den wir aktiv gestalten. Nehmt diese Verantwortung bitte ernst, damit wir wieder mehr Gleichgewicht in die Diskussionen im Netz bekommen.

Vergesst aber gleichzeitig nicht, euch selbst zu schützen und eure Arbeitgebenden in die Pflicht zu nehmen. Dafür habe ich hier noch ein paar ausführliche Blogbeiträge für euch:

  1. Checkliste für den Umgang mit Hassrede: In dieser Checkliste steht alles drin, was das CM braucht um gegen Hass gut aufgestellt zu sein.
  2. Gute Arbeitsbedingungen und arbeitsrechtliche Grundlagen im Community Management: Pflichtlektüre für alle CMs und deren Vorgesetzte*n
  3. Selbstfürsorge und Resilienz im Community Management: Was ihr für euch tun könnt und müsst, um in dieser Welt stabil zu bleiben. Inklusive Abschnitt für Team-Leads
  4. Übersicht meiner Community Management Workshops die euch in allen Lebenslagen weiter helfen

Quellen & Monitoring-Orte zu Codes, Emojis und Algospeak