Community Moderation mit Haltung

Community Moderation mit Haltung

Es gibt so Tage, da öffnest du die Kommentarspalte und weißt sofort: Das wird heute kein Spaziergang. Da steht nicht einfach Kritik. Da stehen Abwertungen. Ironie, die eigentlich keine ist. Halbsätze, die genau so formuliert sind, dass sie noch gerade eben unterhalb der strafrechtlichen Schwelle bleiben. Und irgendwo dazwischen versuchen Menschen tatsächlich noch, eine vernünftige Diskussion zu führen.

Willkommen im Alltag von Community Manager*innen.

Gerade in Zeiten, in denen Hass, Desinformation und gezielte Diskursverschiebung im Netz zunehmen, ist Moderation keine nette Zusatzaufgabe mehr. Sie ist demokratische Infrastruktur. Punkt. Community Manager*innen sorgen dafür, dass Dialogräume nicht komplett von den Lautesten oder strategisch Eskalierenden übernommen werden. Und genau deshalb reicht es eben nicht, einfach nur nach Bauchgefühl zu moderieren. Wer schon einmal mehrere Stunden eine eskalierende Kommentarspalte begleitet hat, weiß: Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Gleichzeitig müssen sie begründbar sein. Nach innen im Team, gegenüber der Community und manchmal auch gegenüber der eigenen Geschäftsführung.

Genau hier setzt das Drei-Schichten-Modell der Moderation an. Es bringt Struktur in Situationen, die sich sonst oft diffus oder ungerecht anfühlen. Es schafft Klarheit, Sicherheit und eine gemeinsame Linie im Team. Statt jedes Mal wieder neu zu diskutieren, warum ein Kommentar gelöscht wurde, schafft es einen gemeinsamen, klaren Orientierungsrahmen.
Damit das Modell nicht in der Theorie bleibt, habe ich dazu ein Workbook erstellt, dass dieses Modell Schritt für Schritt in eine tragfähige Hausordnung übersetzt. Das Workbook könnt ihr euch hier kostenlos und ohne Schranken runterladen. Ich freue mich aber natürlich über euer Feedback.

Symbolbild für das Workbook Drei Schicht Modell der Moderationsverantwortung, Schritt für Schritt zu einer Hausordnung, die im Moderationsalltag für Orientierung sorgt.

Warum ich das Workbook jetzt kostenlos rausgebe? Weil ich fest daran glaube, dass Community Manager*innen noch einen Unterschied machen können. Das wir es, zumindest in einem gewissen Rahmen, noch schaffen können, Kommentarspalte (zurück) zu erobern und wieder Räume im Netz zu haben, in denen man auch streiten kann, ohne sich gleich die Pest an den Hals zu wünschen. Räume in denen Menschenhass nichts zu suchen hat und wo wir nicht normalisieren, wenn Karl Otto Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder wen sie lieben, den Tod wünscht. Außerdem weiß ich aus Erfahrung, dass es einen großen Unterschied machen kann, wenn man das Modell einführt und dann auf Basis der Unternehmenswerte für Ressourcen argumentiert.

Das Drei-Schichten-Modell der Moderation

Viele Teams versuchen Moderation über Listen zu regeln. Verbotene Wörter. Problematische Themen. Eskalationsstufen. Das Problem: Die wirklich schwierigen Fälle stehen auf keiner Liste. Ironie. Mikroaggressionen. Provokationen. Narrative, die eine Diskussion langsam kippen lassen. Aussagen, die nicht strafbar sind, aber trotzdem Menschen verletzen oder den Diskurs vergiften. Genau solche Situationen bringen Teams regelmäßig ins Schwimmen.

Das Drei-Schichten-Modell hilft, solche Situationen strukturiert zu beurteilen. Es unterscheidet drei Ebenen, auf denen Moderationsentscheidungen stattfinden:

    • Recht
    • Hausordnung
    • Ethik

Wichtig ist dabei: Diese Ebenen sind nicht gleichwertig. Sie bauen aufeinander auf. Das Recht bildet den äußeren Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens definiert die Organisation ihre Hausordnung. Und diese wiederum leitet sich aus den Werten und der Haltung der Organisation ab. Oder etwas einfacher gesagt:

Werte → Regeln → Moderationsentscheidungen.

Ebene 1: Recht – der unverhandelbare Rahmen

Die erste Ebene ist das Recht. Und an dieser Stelle gibt es keinen Interpretationsspielraum, strafbare Inhalte haben in einer Kommentarspalte nichts verloren. Dazu gehören zum Beispiel:

    • Beleidigungen
    • Volksverhetzung 
    • Aufrufe zu Gewalt
    • Bedrohungen
    • extremistische Inhalte
    • Verleumdung
    • Nötigung
    • eine Übersicht hat hier zum Beispiel hateaid

Wenn solche Inhalte auftauchen, geht es nicht um Diskussionskultur oder Moderationsstil. Dann gilt schlicht: entfernen, dokumentieren und je nach Schwere melden. Das Recht setzt damit die absolute Untergrenze dessen, was in einer Kommentarspalte stehen bleiben darf.

Aber das Strafrecht sagt nichts darüber aus, wie eine gute Diskussion aussieht. Wenn wir ausschließlich nach Strafrecht moderieren, bewegen wir uns dauerhaft an der untersten Grenze dessen, was gesellschaftlich noch gerade so erlaubt ist.
Und ganz ehrlich: Das kann nicht der Anspruch unserer digitalen Räume sein.

Ebene 2: Hausordnung – die konkreten Regeln

Die zweite Ebene ist die Hausordnung. Hier entscheidet ihr als Organisation, welche Art von Kommunikation ihr in euren digitalen Räumen ermöglichen wollt. Und genauso wichtig: welche nicht. Denn viele Kommentare bewegen sich genau in diesem Zwischenbereich. Sie sind rechtlich erlaubt, aber trotzdem problematisch.
Typische Beispiele sind:

    • abwertende Sprache
    • pauschale Zuschreibungen 
    • Mikroaggressionen
    • diskriminierende Witze 
    • gezieltes Trolling
    • bewusste Provokationen

All das ist in vielen Fällen nicht strafbar. Aber es kann Diskussionen zerstören. Die Hausordnung definiert deshalb die Spielregeln für eure Kommentarspalten. Aus ihr entstehen später zwei wichtige Dokumente: 

    • Netiquette für die Community
    • Moderationsrichtlinien für das Team

Eine gute Hausordnung erfüllt dabei drei Funktionen.

    • Sie schafft Orientierung im Team.
    • Sie macht Moderation nach außen erklärbar.
    • Und sie sorgt dafür, dass Entscheidungen konsistent bleiben.

Wichtig an dieser Stelle ist, die Hausordnung wird immer konsequent aus der Ebene „Ethik“ abgeleitet und deswegen ganz zum Ende definiert und ausdifferenziert.

Ebene 3: Ethik: die eigentliche Grundlage

Jetzt kommt die Ebene, die in vielen Organisationen leider komplett übersprungen wird: die Ethik. Hier geht es um die grundlegende Frage:

    • Warum moderieren wir eigentlich?
    • Welche Werte sollen in unseren digitalen Räumen sichtbar sein? 
    • Welche Stimmen wollen wir schützen?
    • Welche Diskussionskultur möchten wir ermöglichen?

Diese Ebene entscheidet darüber, ob Diversität wirklich geschützt wird, ob Diskriminierung konsequent moderiert wird und ob menschenfeindliche Narrative stehen bleiben oder eingeordnet werden. Ethik prägt Ton, Konsequenz und Haltung der Moderation. Besonders in Grauzonen, in denen weder das Recht noch eine einfache Regel eine eindeutige Antwort liefern.

Und genau deshalb beginnt gute Moderation nicht beim Strafrecht, sondern bei der Haltung. Erst wenn diese Haltung klar ist, lassen sich daraus glaubwürdige Regeln ableiten.

Warum dieses Modell so viel Sicherheit gibt

Viele Community Manager*innen arbeiten jahrelang ohne einen klaren Moderationsrahmen. Entscheidungen werden spontan getroffen, im Zweifel diskutiert man im Slack-Channel oder in der nächsten Redaktionskonferenz und das kostet enorm viel Energie.
Das Drei-Schichten-Modell verändert diese Dynamik komplett. Plötzlich gibt es eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen. Diskussionen im Team werden strukturierter. Neue Kolleg*innen verstehen schneller, warum bestimmte Kommentare moderiert werden. Und vielleicht das Wichtigste: Moderation wird nicht mehr als individuelle Entscheidung einzelner Community Manager*innen wahrgenommen, sondern als bewusste Haltung der gesamten Organisation. Das macht einen riesigen Unterschied.

Der nächste Schritt: vom Modell zur Hausordnung

Das Modell selbst ist allerdings nur der Rahmen. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: Werte definieren, typische Kommentare analysieren, Grauzonen diskutieren und daraus klare Regeln ableiten. Genau dabei hilft dir und euch das Workbook.
Es führt euch Schritt für Schritt durch diesen Prozess, von der Werteklärung bis zur fertigen Hausordnung, die später Grundlage für eure Netiquette und Moderationsrichtlinien wird. Und ja, dieser Prozess braucht Zeit. Diskussionen. Vielleicht auch ein paar hitzige Debatten im Team. Aber diese Zeit holt ihr im Moderationsalltag mehrfach wieder rein, weil ihr plötzlich nicht mehr jedes Mal neu überlegen müsst, was richtig ist. Sondern einfach moderiert. Klar, Souverän, Wertebasiert und mit einem ganz neuen Selbstbewusstsein.

Solltet Ihr Unterstützung bei der Erarbeitung des Modells brauchen, könnt ihr mich natürlich auch als Community Management Expertin dazu buchen, oder schaut auch gern mal in meine Community Management Workshops rein.

Zum Abschluss hier noch eine Liste von Artikeln, die dich vielleicht auch noch interessieren könnten:

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Relevante KPI für das Social Media Management oder wie Dein Chef Dich endlich ernst nimmt

Relevante KPI für das Social Media Management oder wie Dein Chef Dich endlich ernst nimmt

Wer mich kennt weiß, dass ich mich seit Jahren für die Professionalisierung der Branche einsetze. Ein wichtiger Punkt an dieser Stelle ist die Akzeptanz der Berufsbilder des Social Media und des Community Managers innerhalb des Unternehmens. Wer nicht nur als „Der Facebook Klicker“ wahrgenommen werden will, muss seinen Beitrag zu den Unternehmenszielen nachweisen. Fans, Follower und Likes sind dafür schlichtweg die falschen KPI, bzw. um genau zu sein sind es gar keine KPI sondern Messwerte, aber dazu später.

Was ist überhaupt ein KPI?

Als Key Performance Indicator (KPI), zu Deutsch Leistungsindikator, gelten betriebswirtschaftliche Kennzahlen, anhand derer der Fortschritt oder der Erfüllungsgrad einer Zielvorgabe gemessen werden kann. Dabei ist eine Kennzahl eine Verhältniszahl, die zwei Messwerte miteinander in Beziehung setzt. Über KPIs können Prozesse im Unternehmen kontrolliert und bewertet werden, um diese gegebenenfalls anzupassen oder zu optimieren. Ein Messwert ist dabei ein Wert, der gezählt werden kann.

Warum sich Fans & Co hartnäckig als KPI halten und was man dagegen tun kann

Mit hohen Fanzahlen geht oftmals ein gewisser Prestige-Effekt einher, was es gegenüber weniger erfahrenen Vorgesetzten und Agenturkunden schwer macht, eben nicht an diesen gemessen zu werden. Das die eigene Seite mehr Fans als der Wettbewerb hat, zählt in diesem Kontext leider oft mehr, als strategische Ziele und Inhalte. Doch seien wir an dieser Stelle mal ganz ehrlich: Welche Aussagekraft hat ein Fan im Bezug auf ein Unternehmensziel? Gerade unter dem Aspekt, dass man sich Fans, Follower und Co problemlos einkaufen kann? Mittlerweile geht mein erster Blick bei einem Audit in die Fanstatistiken des Wettbewerbs – woher kommen die Fans? Finde ich dort „Unregelmäßigkeiten“ ist es oftmals wesentlich einfacher die Führungsriege davon zu überzeugen, dass die Fanzahl eben nicht so wichtig ist, wie es scheint. Ein zweites Argument an dieser Stelle ist, dass Fans, die über Gewinnspiele und Co „gewonnen“ wurden, langfristig negative Auswirkungen auf die Reichweite haben. Oder für Vorgesetzte ausgedrückt – es muss mehr Budget in Werbung investiert werden, als für eine organisch gewachsene, wirklich an dem Unternehmen/Produkt/Thema interessierte, Fangruppe.

Wie Ihr Fake Follower entdecken könnt

Um einen schnellen Einblick zu bekommen, wie sich die eigene Fangemeinde, oder die des Wettbewerbs, zusammen setzt, gibt es eine Reihe von Tools. Eine kleine Auswahl findet Ihr hier: Es gibt ein paar Indizien für „unechte“ Fans, wie zum Beispiel viele Fans aus Ländern, die die Sprache der Seite nicht verstehen und auch sonst keinen Bezug zum Thema haben, sehr große Sprünge im Fanzuwachs, sehr hohe Fanzahl bei sehr geringer Aktivität oder einfach viele Fans mit keinem / dem gleichen Profilbild oder seltsamen Namen. Woher die Fans dabei kommen, ist dabei wiederum nicht immer im Einflussbereich der Seite, oder anders gesagt – selbst viele unechte Fans sind nicht zwingend ein Hinweis darauf, dass die Seitenbetreiber diese gekauft haben.
Ein zweiter Grund liegt meiner Meinung nach schlicht in mangelndem strategischen Einsatz der sozialen Netzwerke. Fans, Follower und Co als Messwerte einfach zu erfassen und zu vergleichen. Entsprechend niedrig ist aber auch der Aussagewert. Messwerte müssen immer in einen Kontext gebracht werden, um überhaupt eine strategische Aussagekraft zu haben. Wer gute KPI aufstellen möchte, muss Ziele für das Social Media Engagement haben. Gute Ziele in diesem Bereich zeichnen sich wiederum dadurch aus, dass Sie einen Beitrag zu den Unternehmenszielen leisten. Die erste Frage an dieser Stelle lautet also
„Wie kann das Social Media Engagement, in Anbetracht der verfügbaren Ressourcen und den Bedürfnissen der Zielgruppe, zu den Unternehmenszielen beitragen?“

Nur wer diese Frage strategisch beantworten kann, ist in der Lage wirklich relevante KPI abzuleiten.

Mögliche Auswirkungen einer Fixierung auf Likes & Co.

Natürlich ist es für Social Media und Community Manager wichtig, sich mit den eigenen Messwerten und Kennzahlen auseinander zu setzen. Welche Themen kommen besonders gut an? Was löst Interaktion aus? Wie ist die Stimmungslage innerhalb der Community? Aber hier muss immer der Blick für einen strategischen Bezug bleiben. Liegt der Fokus zu sehr auf Likes & Fanzahlen und nicht auf der Passgenauigkeit zur Strategie, sieht ein Blick in die Statistik nämlich so aus:
gewinnspiel

Screenshot: Fanpage Karma

Ich habe hier bewusst Wörter, die einen Rückschluss auf die Organisation, die hinter dieser Tagcloud steht unkenntlich gemacht, aber soviel – mit Fußball hat diese absolut nichts zu tun und Gewinnspiele sind ebenfalls nicht der Geschäftszweck. Leider ist das aber auch kein Einzelfall, selbst große Marken bespaßen Ihre Fans mit ähnlich generischen Inhalten, die keinerlei Bezug zum Produkt oder der Branche haben. Die Interaktions- und Reichweitenwerte sind hier sicher gut, die Frage ist, wie hier langfristig intern das entsprechende Budget verargumentiert werden kann.

Schrittweise vom Messwert zum relevanten KPI

Der erste Schritt ist hier, ein Verständnis dazu zu entwickeln, was KPI überhaupt sind. Ich erläutere dafür einmal kurz den Prozess vom Messwert über die Kennzahl zum KPI. KPI Messwerte Messwerte für Social Media sind die am einfachsten zu bestimmenden Werte, denn sie können einfach abgezählt oder gelesen werden. Sie bilden die Grundlage für die Bestimmung von KPIs, sind aber allein wenig aussagekräftig. Beispiele für Messwerte sind Fans, Follower, Likes, Shares, Kommentare etc. Kennzahlen – Messwerte in Relation Werden Messwerte in ein Verhältnis oder eine Relation zu mindestens einem anderen Messwert gesetzt, entsteht eine Kennzahl. Dabei kann der zweite Messwert sowohl eine weitere Zahl über das eigene Unternehmen, als auch die eines oder mehrerer Wettbewerber sein. Beispiele sind: Relative Reichweite (Reichweite im Verhältnis zur Fanzahl), Relative organische Reichweite (Organische Reichweite in Relation zur Fanzahl, gerne als Vergleichswert zur Gesamtreichweite inkl. bezahlter Reichweite) KPIs – Kennzahlen mit Zielen verknüpfen Es gibt noch einen kleinen, feinen Unterschied zwischen Kennzahl und KPI. Ein KPI ist eine Leistungskennzahl und muss aus diesem Grund immer in Bezug zu einem Ziel stehen. Die passenden KPIs für Ihr Unternehmen hängen entsprechend von den Social-Media-Zielen ab. Beispiel: Die Messwerte „Anzahl der positiven Stimmen“ und „Anzahl der negativen Stimmen“ zu Kampagnenhashtag X, geben in Relation gesetzt Rückschluss auf die Stimmung bezüglich einer Kampagne. Wie das Gesamtprocedere aussehen kann, zeige ich im nächsten Schritt.

Vom Unternehmensziel zum KPI

Um den Beitrag von Social Media an den Unternehmenszielen sichtbar zu machen, muss das Pferd von hinten aufgezäumt und aus den Unternehmenszielen die passenden KPIs abgeleitet werden. Die KPIs eines Unternehmens sind so individuell wie dessen Ziele. Aus diesem Grund müssen folgende Fragen für die Ableitung von Kennzahlen geklärt werden:
  • ?  Was bedeutet im Hinblick auf die eigenen Ziele »Erfolg«, und was muss entsprechend gemessen werden?
  • ?  Welche Messwerte stehen überhaupt zur Verfügung, um daraus Kennzahlen abzuleiten?
  • ?  Auf welchen Plattformen muss gemessen und welche unterschiedlichen Messwerte müssen beachtet werden?
  • ?  Welche Gewichtung werden interaktiven Elementen und den jeweiligen Plattformen zugeordnet? Ist ein Share mehr wert als ein Kommentar? Ist ein Kommentar im Blog mehr wert als einer auf Facebook?
Sind diese Fragen geklärt, geht es an die konkrete Ableitung. Sind die Social Media Zielen von den Unternehmenszielen abgeleitet, ist es meistens sinnvoll zu schauen, wie die zugehörigen KPI aussehen. Oft ist die hier angewandte Methode eine gute Inspiration. kpi_ableitung

Modelle für die Ableitung von KPI

In den letzen Jahren wurden eine Reihe von Modellen entwickelt, die auf der Verknüpfung mit den Unternehmenszielen basieren. Hervorzuheben wären hier meiner Meinung nach
Da eine ausführliche Diskussion aller Modelle hier den Rahmen sprengen würde, habe ich die jeweiligen Modelle verlinkt. Das imho beste und vollständigste Modell wurde jüngst von dem BVDW als „Leitfaden Erfolgsmessung in Social Media“ veröffentlicht. In dem Leitfaden wird dezidiert erklärt, wie Social Media Manager ausgehend von den drei größten Zielbereichen von Organisationen ( Kostensenkung, Umsatzsteigerung, Handlungsautonomie) Ziele für Ihr Social Media Engagement ableiten können.
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Quelle: BVDW

Besonders hilfreich für die Ableitung der eigenen Ziele finde ich dabei die Erfolgsmessungsmatrix, die für die drei größten Zielbereiche der Organisation, die Ziele der Strategie und der zugehörigen Maßnahmen, die darauf basierenden möglichen Kennzahlen, sowie die Erhebungsmethode darstellt. Einen Ausschnitt der Matrix ist in der folgenden Vorschau zu sehen, den kompletten Leitfaden und die Matrix könnt Ihr Euch hier beim BVDW runterladen.
Quelle: BVDW http://www.bvdw.org/presseserver/Publikationen/BVDW_Matrix_Social_Media_Erfolgsmessung.pdf

Quelle: BVDW

Mit dieser ausführlichen Hilfestellung gibt es meiner Meinung nach keine Ausrede mehr, um keine sinnvollen KPI für die Führungsebene zu entwickeln.

Praxisbeispiel

Zum Abschluss möchte ich den Prozess einem vereinfachten Praxisbeispielen zeigen. Ausgangslage Das strategische Ziel »Kundenzufriedenheit« soll auf einen KPI für Social Media heruntergebrochen werden. Betrachtet wird der mögliche Beitrag eines Social Media Kundenservices.Die aktuelle Tonalität gegenüber dem Unternehmen in den sozialen Netzwerken ist nicht gut. Eine Nullmessung auf Twitter hat ergeben, dass 30% negativen Nennungen, lediglich 5% positive Nennungen entgegen stehen. Im klassischen Kundenservice wird die Kundenzufriedenheit über einen Fragebogen erfasst, die nach dem Abschluss eines Falles verschickt wird. Darüber hinaus hat der klassische Kundenservice das Ziel alle nicht telefonischen Anfragen innerhalb von 48 Stunden zu beantworten. Daraus kann der Kundenservice zwei Ziele ableiten: 1. Erhöhung der positiven Nennungen um 10% innerhalb von 3 Monaten. 2. Beantwortung von 90% der Kundenanfragen innerhalb von 2 Stunden im nächsten Quartal Daraus leiten sich als KPI ab: 1. Anzahl der positiven Nennungen zum Zeitpunkt X + 3 Monate / Anzahl der positiven Nennungen zum Zeitpunkt X 2. Anzahl der Fragen, die innerhalb von 2 Stunden beantwortet wurden / Anzahl aller beantworteten Fragen Natürlich ist dieses Beispiel sehr vereinfacht, aber das Prinzip sollte klar werden.

Fazit

Fan- und Likezahlen ohne Kontext haben keine Relevanz für die Ziele der Organisation, im Gegenteil eine alleinige Fixierung auf diese Messwerte führt zu generischen Inhalten, die wiederum eine langfristige Rechtfertigung des Social Media Engagements erschweren. Dagegen verschaffen zielgerichtete und relevante KPI einem Social Media Manager intern eine bessere Stellung, deswegen lohnt es sich Zeit und Aufwand in die Entwicklung von eben diesen zu investieren. Wer seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg darstellen kann, hat im Bezug auf Budgetverteilung und Priorisierung einfach die besseren Argumente. Dieser Artikel ist ein Beitrag zu der KPI-Blogparade des MonitoringMatchers, dort findet Ihr eine Reihe weiterer Artikel zum Thema.